Kennst du das Gefühl, wenn du genau weißt, dass du den richtigen Riecher hast, aber im entscheidenden Moment gegen eine Wand aus Ignoranz läufst?
Ich weiß noch wie heute, als ich bei einer großen Jahrestagung eines namhaften Snackherstellers war. Der Saal war brechend voll: Hunderte Außendienstmitarbeiter, Key Account Manager, die gesamte Führungsebene – überwiegend männlich. Das Marketing präsentierte die neuen Produkte und fragte nach Innovationen.
Ich war damals junge Mutter und arbeitete im Außendienst. Jeden Tag sah ich an der „Front“, was Mütter ihren Kindern wirklich zum Snacken gaben. Es waren eben nicht unsere Standard-Salzstangen. Es waren Produkte aus dem Bioladen: Vollkorn, Sesam, gesündere Alternativen. Ich sah den Markt, ich spürte den Trend.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, stand in diesem riesigen Saal auf und schlug vor, Bio- oder Vollkorn-Brezeln ins Sortiment aufzunehmen.
Was passierte? Der Saal lachte.
In diesem Moment fühlte ich mich nicht nur gedemütigt, ich habe innerlich gekündigt. Diese fehlende Wertschätzung zog sich übrigens durch den gesamten Arbeitsalltag. Nicht lange danach ging ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Clou: Kein Jahr später gab es plötzlich Vollkorn- und Sesambrezeln im Sortiment. Die Idee war also goldrichtig, nur ich als Frau, wurde nicht nur nicht ernst genommen, sondern dafür ausgelacht.

Das Phänomen der unsichtbaren Expertin
Vielleicht kennst du das auch? Was ich damals erlebte, ist definitiv kein Einzelschicksal. Es ist ein Muster, das fast jeder Frau in Führungspositionen begegnet. Ich nenne es das „Phänomen der unsichtbaren Expertin“. Es beschreibt Situationen, in denen fachliche Brillanz und jahrelange Erfahrung schlichtweg ignoriert werden, oder noch schlimmer, der Kollege gibt deine Ideen und deine Arbeit für seine aus und erntet die Lorbeeren.
Dahinter stecken uralte Dynamiken, in denen sich fast jede Frau irgendwann wiederkennt:
- Das Echo-Phänomen: Die Idee einer Frau hallt erst dann wider (und wird gehört), wenn ein Mann sie ausspricht.
- Die unsichtbare Expertise: Wenn Kompetenz zwar vorhanden ist, aber wie durch einen unsichtbaren Filter wahrgenommen wird, der die Relevanz der Aussage dämpft.
- Das Paradox der Kompetenz: Es ist die absurde Erfahrung, dass eine Frau, je kompetenter sie auftritt, umso eher als „Bedrohung“ oder „zu emotional“ wahrgenommen wird, statt als die Expertin, die sie ist.
- Strukturelle Überhörtheid: Ein Begriff für Systeme, die Frauen oft systematisch ausblenden, weil die „männliche“ Norm als Standard für Autorität gilt.
- Die gläserne Wand in der Kommunikation: Man sieht die Frau, man hört sie auch, aber ihre Botschaft dringt nicht bis zur Entscheidungsebene durch.
Warum ist das heute immer noch so?
Hinter diesen Phänomenen stehen oft tiefliegende psychologische Dynamiken:
- Der „Gender Authority Gap“ (Das Geschlechter-Autoritäts-Gefälle): Unbewusst verknüpfen viele Menschen Kompetenz und Autorität immer noch mit tiefen Stimmen und männlich gelesenen Verhaltensweisen. Eine Frau wird oft als „naiv“ abgestempelt, während der Mann für dieselbe Idee als „strategisch“ gilt und gefeiert wird.
- „Hepeating“ (Ideen-Diebstahl durch Wiederholung): Wenn eine Frau etwas vorschlägt, ignoriert wird und ein Mann die Lorbeeren erntet, weil er es kurz darauf wiederholt. Ein absolutes No-Go und doch erleben wir es täglich tausendfach.
- Die Angst vor Statusverlust: Wissen „von der Front“ (wie mein Beispiel mit den Müttern, ich hatte zwar keine Marketingzalen, aber den Markt beobachtet und das richtige Bauchgefühl) wird oft als minderwertig gegenüber „harten Zahlen“ angesehen, bis der Markt zeigt, dass die Empathie und Beobachtungsgabe der Frauen der eigentliche Innovationstreiber waren.
Wie du dich stärkst, um gehört zu werden
Es reicht nicht, nur recht zu haben. Wir müssen lernen, den Raum einzunehmen, der uns zusteht. Neben der strategischen Planung deiner Sichtbarkeit helfen dir vor allem diese Techniken der inneren Führung:
- Die „Innere Anker-Technik“ (Body-Mind-Connection): Bevor du in ein wichtiges Meeting gehst: Erinnere dich an einen Moment, in dem du absolut sicher und kompetent warst. Spüre diesem Gefühl körperlich nach. „Ankere“ dieses Gefühl kurz vor dem Betreten des Raums. Wer innerlich aufrecht steht, strahlt eine Präsenz aus, die Unterbrechungen im Keim ersticken kann.
- Die „Allianz der Bestärkung“ (Shine Theory): Suche dir im Vorfeld eine Verbündete. Verabredet euch: Wenn du im Meeting unterbrochen wirst, greift die andere Person ein: „Warte kurz, ich wollte gerade noch zu Ende hören, was sie dazu sagt, das klang extrem relevant.“ Diese äußere Rückendeckung stärkt deine innere Führung enorm und lenkt die Aufmerksamkeit der andern auf dich.
- Die „Korrektur“ üben: Wenn ein Kollege deine Idee als seine verkauft, reagiere sofort, klar und sachlich: „Danke, Markus, dass du meinen Punkt von vorhin noch einmal aufgreifst. Wie ich bereits ausführte…“ So holst du dir die Urheberschaft zurück, denn die Aufmerksamkeit ist jetzt bei deinem Thema. Gerne kannst du ergänzen: „Dazu habe ich bereits folgendes ausgearbeitet…..“
- Innere Resilienz & Selbstwert: Mein Lachen im Saal damals hat mich schmerzhaft getroffen, ich gebe zu, ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, aber es war auch der Startschuss für meine Freiheit. Ich habe gelernt, mein Wert hängt nicht von der Bestätigung einer Gruppe ab, die den Trend verschläft.
Es ist Zeit deine Stimme zu erheben!
Du musst dich nicht damit abfinden, belächelt zu werden. Deine Intuition, deine Fachlichkeit und deine Sicht auf die Dinge sind wertvoll für jedes Unternehmen – und wenn sie dort nicht gesehen werden, finden wir gemeinsam einen Weg, wie du dir diese Wertschätzung verschaffst.
Möchtest du lernen, wie du souveräner auftrittst, schlagfertiger reagierst und deine Kompetenz unübersehbar machst?
Gehen wir es an: In meinem 1:1 Stärken-Coaching oder in meinen Seminaren arbeiten wir gezielt an deiner Wirkung und deiner inneren Stärke.
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Ich freue mich darauf, dich zu unterstützen, damit deine „Sesambrezel-Idee“ nie wieder ausgelacht wird.
Und falls du Lust hast zu lesen, hier findest du einige Bücher von mir, viel Freude beim Lesen:
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