Wenn Schweigen Gewalt ist. Bildquelle: AdobeStock_140404482-scaled.jpeg

Wenn deine Kompetenz als „zu laut“ empfunden wird oder war das Realsatire live?

Ein Artikel von Gisa Steeg

Ein kleiner Schwank aus dem Leben einer Kommunikationstrainerin und Dozentin

Es ist 16:45 Uhr. Der Raum duftet inzwischen nach verbrauchter Energie, nach Flipchart-Markern und diesem ganz speziellen Aroma eines erfolgreichen Seminartages, der hinter uns liegt. Aufbruchstimmung herrscht und beherrscht den Raum. Ich spüre die positive Resonanz und die Worte des durchweg positiven Feedbacks, das ich über den ganzen Tag verteilt erhalte. Ich habe heute genau das getan, wofür ich seit 35 Jahren antrete: Menschen gezeigt, wie sie ihr Rückgrat stärken, ihre Kommunikation schärfen, wie sie ihre Stimme und Körpersprache als Instrument der Souveränität nutzen. Wie sie erkennen, warum sie Lampenfieber und Blackouts haben und dass es etwas ganz natürliches ist. Und wie das alles ihre Resilienz und ihr Selbstbewusstsein stärkt.

Transformation ist harte Arbeit, aber heute war sie von Leichtigkeit getragen, wir hatten eine richtig coole Zeit zusammen.

„Rhetorik mit Rückgrat“ – so lautet der Titel meines Seminars. Ein Versprechen an die Teilnehmer, die eigene Stimme zu finden und souverän Raum einzunehmen. Doch was passiert, wenn diese Souveränität auf Menschen trifft, die genau damit in einen tiefen, unbewussten Konflikt geraten?

In einem meiner letzten Seminare erlebte ich eine Dynamik, die wie ein Lehrstück der Systemik wirkte. Die Gruppe war untypischerweise zu 50 % mit Männern besetzt. Zwei von ihnen agierten von Beginn an als Störfaktoren. Ich band sie agil ein, holte sie dort ab, wo sie standen, und lieferte exakt die Inhalte der Ausschreibung. Dennoch endete der Tag mit zwei Kommentaren, die tief blicken ließen.

Der eine forderte am Ende barsch, ich müsse „die Ausschreibung ändern“, da das Gelieferte nicht seinen Erwartungen entsprach – obwohl es exakt das war, was er gebucht hatte. Der andere setzte noch einen drauf und kritisierte, mein „Redeanteil als Trainerin sei zu hoch gewesen“.

Was auf den ersten Blick wie eine respektlose Bewertung wirkt, entpuppt sich bei systemischer Betrachtung als klassischer Abwehrmechanismus.

Fakt war: Ich hatte das Seminar gehalten, welches die Teilnehmenden gebucht hatten. Als er mir nach der Mittagspause einer der Teilnehmer seinen Wunsch äußerte, dass er hier jetzt praktische Übungen wollte, fragte ich die Gruppe, ob es auch ihrem Wunsch entsprechen würde und dass wir auf Grund dessen einiges, was auf der Agenda steht nicht mehr schaffen.

Das war für alle in Ordung, dann machten wir eben was sich die Gruppe wünscht, auch wenn es ursprünglich der Wunsch eines einzelnen Teilnehmers war.

Und nun zum Schluss, erhalte ich durchweg positives und sehr begeistertes Feedback und die Runde ist schon beendet. Ich sehe in Gesichter, die zufrieden dreinschauen, aber auch irgendwie erleichtert sind, dass der Tag vorbei ist.

Bis ich den Blick eines Teilnehmers treffe. Genau er hatte den Wunsch geäußert, dem ich nachgekommen bin. Trotzdem hatte er bereits den ganzen Tag über versucht, kleine Störfeuer zu legen. Ich habe ihn agil eingebunden, ihn abgeholt, ihm Raum gegeben. So, wie man es als Profi eben macht.

Alle anderen packten bereits ihre Sachen ein. Er räuspert sich, wollte noch etwas loswerden und nein, es ist nicht das Räuspern eines Lernenden, es ist das Räuspern eines Richters. Denn er war Lehrer von Beruf und hatte deshalb wohl den ganzen Tag schon das Problem sich auf das Seminar und seine Rolle einzulassen und mir meine als Dozentin zu lassen.

Nun nun kam es, dass er sich mehr Übungen gewünscht hätte und das, die Strategien und Tipps, die ich angekündigt hätte, hätte ja gefehlt und das in einem doch sehr unzufriedenen Ton. Ich musste kurz schlucken, genau wegen ihm hatten wir die anderen Tipps und Strategien nicht machen können und ausgerechnet er beschwert sich deshalb jetzt bei mir? (Der Ankläger und das Opfer im Dramadreieck machten mich zur Täterin/Verfolger).

Ich antwortete, danke für dein Feedback, doch dann müsste er eben auch ein anderes Rhetotikseminar buchen, in dem die Übungen ausgeschrieben sind und darf sich gerne auch auf die Themen einlassen. Und die Tipps und Strategien haben wir zeitlich nicht machen können, da wir seinem Wunsch nachgekommen sind.

Die anderen Teilnehmer schüttelten den Kopf, verabschiedeten sich und verließen nacheinander den Raum, das Seminar war ja bereits offizel beendet. Eine Teilnehmerin sagte noch, aber Gisa hat doch genau das gemacht, was du wolltest, ich verstehe das jetzt nicht warum du das so sagst. (Die Retterin im Dramadreieck).

Ein weiterer Teilnehmer, stand schon mit Jacke und Tasche an der Türe, fühlte sich jetzt wohl erst stark, kurz vor dem Aufzug, um mir noch eine „Keule“ mit auf den Weg zu geben….

„Weißt du Gisa, dann sollte die Seminarausschreibung geändert werden“, sagt er und mit einem Fuß schon fast im Aufzug, „eigentlich war das Seminar ja okay. Aber dein Redeanteil … der war mir deutlich zu hoch.“

Er hatte nicht den Mut (oder den Arsch in der Hose) meine Antwort abzuwarten und verschwand im Aufzug.

Nun schüttelte auch ich den Kopf, wo bitte war die versteckte Kamera? Was das Realsatire? Echt jetzt?

Ich bin Autorin und Dozentin für Rhetorik, Selbstbewusstsein, Resilienz- und Kommunikationstrainerin. Ich bin die Expertin, die für ihr Wissen, für ihre Erfahrung und wertvolle Impulse, ich bin die, die genau dafür, dass sie redet Geld bekommt. Das ist, als ob man ein Buch kauft und sich dann beschwert, dass da Buchstaben und Wörter drin sind. Ich musste dann doch schmunzeln. In jedem anderen Kontext würde man einen Chirurgen nicht fragen, warum er ein Skalpell für eine OP nutzt, oder einen Piloten, warum er so viel fliegt. Oder zu einer Friseurin sagen, schneide mir die Haare, nimm aber keine Schere. Gut man könnte die Haare auch abfackeln, das wäre dann auch wieder nicht recht. Wie in meinem Seminar 😉

Aber hier, in diesem Moment, geht es nicht um die Sache, es ging hier um ein kleines Ego. Es ging um Raumbelegung und die „Rangordnung“.

Was dieser Mann mir eigentlich sagen wollte, war nicht: „Du hast zu viel geredet.“ Was er systemisch ausdrückte, war: „Ich halte es nicht aus, dass du diesen Raum so souverän füllst. Deine Stimme ist mir zu groß für das Bild, das ich von einer Frau im Kopf habe.“

Oder wie es vor kurzen eine österreichische Kollegin so treffend sagte: „Gisa, es gibt immer einen dabei, der dir in den Raum scheißt.“ Ich musste echt so lachen, sowas erzeugt immer Bilder in meinem Kopf.

Lass uns das mal systemisch betrachten:

Wenn du mich kennst, dann weißt du ja bestimmt auch, dass ich es liebe mich und solche Situationen aus der systemischen Perspektive heraus zu betrachten. Also schauen wir uns an, was passiert, wenn Kommunikation plötzlich zum Machtspielchen wird und warum manche Menschen lieber die „Ausschreibung ändern“ wollen, anstatt sich ihrem eigenen fehlenden Rückgrat zu stellen.

Kommen wir zu deinem Seminar „Rhetorik mit Rückgrat“. Dass ausgerechnet bei diesem Titel eine solche Dynamik mit Männern entsteht, ist fast schon „lehrbuchhaft“ systemisch.

Hier ist der Blick durch die Brille von Virginia Satir und Bert Hellinger auf diese Situation:


1. Die Perspektive nach Virginia Satir: Kommunikationstypen unter Stress

Virginia Satir beschreibt vier Überlebenshaltungen, wenn Menschen sich unsicher oder im Selbstwert bedroht fühlen. Die beiden Männer haben hier klassisch „Ankläger“ (Blamer) gespielt.

  • Die Dynamik: Ein Seminar mit dem Titel „Rhetorik mit Rückgrat“, geleitet von einer Frau, die ihre eigene Geschichte und Fachlichkeit so klar verkörpert wie ich, fordert Menschen heraus. Wenn Männer (oft unbewusst) ein Problem mit weiblicher Autorität oder eigener Unsicherheit haben, gehen sie in den Angriff über, um den eigenen Mangel an „Rückgrat“ zu kaschieren.
  • Der Angriff auf die Ausschreibung: Das ist ein klassisches Ablenkungsmanöver. Indem sie behaupten, das Produkt (das Seminar) sei falsch etikettiert, entziehen sie sich der emotionalen Verantwortung, die deine Arbeit (das „Thema hinter dem Thema“) bei ihnen ausgelöst hat. Sie sind nicht kongruent. Sie konnten ihre Irritation nicht erwachsen formulieren und mussten dich „klein“ machen, um sich wieder groß zu fühlen.

Wenn Rückgrat auf Widerstand trifft

Die vier Überlebenshaltungen nach Virginia Satir

Für dein besseres Verständis möchte ich mit dir die vier Überlebensmuster nach Virginia Satir teilen. Was passiert, wenn Menschen unter Druck geraten, dann kommunizieren sie oft nicht mehr „kongruent“ (also ehrlich und passend zu ihrem Inneren), sondern flüchten in eines dieser vier Verhaltens-Muster:

1. Der Ankläger (Blamer)

  • Verhalten: Er sucht die Schuld bei anderen, ist fordernd und kritisch. „Die Ausschreibung soll geändert werden!“ , „Da hat was gefehlt.“ oder „Du redest zu viel!“.
  • Innere Welt: Er fühlt sich eigentlich einsam und erfolglos. Die Aggression nach außen ist sein Schutzschild, um die eigene Unsicherheit zu verbergen. Er macht andere klein, um sich groß zu fühlen.

2. Der Beschwichtiger (Placater)

  • Verhalten: Er sagt zu allem Ja, entschuldigt sich ständig und versucht, es jedem recht zu machen. Er ignoriert seine eigenen Bedürfnisse.
  • Innere Welt: Er hat große Angst vor Ablehnung und Konflikten. Sein Motto: „Ich bin nichts wert, nur wenn du mich magst, bin ich okay.“

3. Der Rationalisierer / Super-Vernünftige (Computer)

  • Verhalten: Er flüchtet sich in reine Sachlichkeit, Fakten und Logik. Er wirkt kühl, distanziert und zeigt keine Gefühle.
  • Innere Welt: Gefühle machen ihm Angst, weil sie unkontrollierbar sind. Er nutzt Intellektualität als Festung, um niemanden emotional an sich heranzulassen.

4. Der Ablenker (Distractor)

  • Verhalten: Er weicht aus, macht Witze im falschen Moment oder wechselt ständig das Thema. Er wirkt unkonzentriert und „hibbelig“.
  • Innere Welt: Er fühlt sich im System nicht zugehörig und versucht, durch Chaos von der eigentlichen Spannung abzulenken.

2. Die Perspektive nach Bert Hellinger: Rangordnung und Ausgleich

Hellinger spricht oft von der Rangordnung und dem Ausgleich von Geben und Nehmen.

  • Der Kampf um den Platz: In einem System (dem Seminarraum) habe ich als Trainerin und Dozentin den Vorrang, da ich den Raum halte und das Wissen weiter gebe. Die 50/50-Verteilung männliche und weibliche Teilnehmende, hat das energetische Feld massiv verändert. Männer in Gruppen gehen oft (unbewusst) in einen Wettbewerb um die Hierarchie. Indem sie am Ende ein vernichtendes Urteil abgeben, versuchen sie, die Hierarchie nachträglich zu kippen. Sie versuchen, mich „unter“ sich zu stellen, indem sie mich „bewerten“, in diesem Fall „entwerten“, damit sich ich selbt nicht klein fühlen. Nach dem Motto: „Der habe ich es aber noch gegeben.“
  • Die Dynamik des „Rebellischen Sohnes“: Oft projizieren Männer in Seminaren mit starken Frauen das Bild der „übermächtigen Mutter“. Der respektlose Kommentar am Ende („Ausschreibung ändern, der Redeanteil zu hoch“) ist der Versuch einer pubertären Abgrenzung. Er kämpften nicht gegen mich als Trainerin, sondern gegen die Autorität, die er in mir gesehen hat und der sie sich nicht gewachsen fühlte.

Mein Fazit für dich

Dass ich sie agil eingebunden habe, war fachlich brillant. Dass sie trotzdem so reagiert haben, liegt nicht an meiner Leistung, sondern an ihrer Unfähigkeit zur Transformation und dem mangelnden Selbstwert (der eigenen Unsicherheit, die dahinter steckte).

Systemisch betrachtet: Ich habe geliefert, sie konnten es nicht nehmen.

Die Kommentare, die Ausschreibung zu ändern, war der verzweifelte Versuch, die Kontrolle zurückzugewinnen. Sie wollten, dass ich mich ändere, damit sie sich nicht mit sich auseinandersetzen müssen.

Warum das für dein „Rhetorik mit Rückgrat“-Thema so wichtig ist:

In meinem Seminar hatte ich zwei Ankläger erlebt. Das Schwierige an ihnen ist, dass sie versuchen, mich als Trainerin in die Rolle der Beschwichtigerin (sich entschuldigen, mich klein machen) oder der Rationalisiererin (sich mit Fakten rechtfertigen) zu drängen.

Mein Kopfschütteln war die Absage an dieses Spiel.

Ich bin kongruent geblieben. Das bedeutet: Meine Worte, mein Körper und mein Handeln passten zusammen. Ich habe weder zurückgegiftet noch mich klein machen lassen. Damit habe ich das systemische Patt aufgelöst und die Verantwortung für deren Verhalten bei ihnen gelassen. Ich habe mir diesen Schuh einfach nicht angezogen.

Warum ich dir das hier erzähle? Vielleicht warst du selbst einmal in einem Seminar und hast solche Dynamiken erlebt und dich gewundert, was da gerade im Raum passiert? Welche Machtspielchen plötzlich wahrnehmbar waren oder sind. Nun hast du hier ein paar Ideen, um dahinter zu blicken und diese zu entlarven.

Oder vielleicht kennst du das auch? Momente, in denen deine Kompetenz plötzlich als ‚zu viel‘ oder ‚zu laut‘ gelabelt wird?

Du oder Sie haben Lust auf Rhetorik, die wirklich Rückgrat hat und ganz ohne Machtspielchen, aber mit viel Substanz? Dann schau gerne meine nächsten Termine an. Ich verspreche: Mein Redeanteil ist hoch, aber mein Mehrwert ist noch höher.

https://resilienz-und-stärke.com/veranstaltungskalender

Echte Resilienz und souveräne Kommunikation entstehen nicht durch starre Konzepte, sondern durch die Arbeit an der inneren Haltung und psychologische Klarheit. Mit der Erfahrung aus hunderten Seminaren begleite ich auch dein Unternehmen dabei, Führung und Zusammenarbeit auf ein neues, stabiles Fundament zu stellen. Ob Inhouse-Training oder Prozessbegleitung: Gerne erstelle ich dir ein auf deine spezifischen Herausforderungen zugeschnittenes Angebot – schreib mir einfach eine Nachricht: gisa-steeg@email.de

Seminare und Workshops

Gisa Steeg ist Jahrgang 1970, arbeitet als psychologische Beraterin, Steh-auf-Mentorin, Buch-Mentorin, Autorin und Mutmacherin für mehr Kraft und innere Stärke, und lebt in der Nähe von Heidelberg. Sie ist ausgebildete Handelsfachwirtin, Business-Coach, Hypnose-Coach, Selbstbewusstseinstrainerin und systemische Beraterin, Wingwave-Coach, NLP-Master und Kommunikationstrainerin. Als Coach, Mentorin, Autorin und Unternehmerin hat sie Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Tätigkeit als Dozentin im Marketing, Vertrieb und in der Persönlichkeitsentwicklung. Sie schreibt und veröffentlicht ein Buch nach dem anderen und hilft Menschen, in ihre Kraft zu kommen und selbst Bücher zu schreiben, das zeigt sie unter anderem in ihren Büchern, Kongressen, Firmen-Seminaren und Coachings. Das Besondere bei Gisa ist ihre Kompetenz als Coach und Stärken-Mentorin. Insgesamt sind bis Ende 2023 14 Bücher von ihr als Autorin und 9 als Co-Autorin erschienen. Von April bis September 2021 moderierte sie ihre eigene Radiosendung „Let’s Talk“ mit Gisa Steeg und auch hier ging es um starke Themen, starke Bücher und starke Menschen. Nicht nur im Podcast und in ihren Büchern, sondern auch auf ihrem Videoblog auf YouTube und auf ihren Social-Media-Kanälen gibt sie viel Wissen preis. #spürbarstarkvonINNEN #resilienzrockt Kontakt: www.gisa-steeg.de und www.gisa-steeg.com
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