Ein Artikel von Gisa Steeg, Resilienz- und Kommunikationstrainerin
Für mich ist jeder Jakobsweg mehr als nur eine Wanderung. Er ist eine bewusste Entscheidung für eine Aus- und Rauszeit aus dem Alltag, ein zartes Flüstern der Seele, dich sich nach etwas sehnt.
Vielleicht ist der Jakobsweg wie ein Gespräch, das wir oft erst verstehen, wenn wir uns selbst auf das Nötigste reduziert haben. Ich bin viele Caminos gegangen und wurde immer wieder gefragt, „Gisa, ich möchte auch laufen, bietest du Jakobswegreisen an?“ Nein, aber ich hatte so eine große Lust Frauen mit auf den Weg zu nehmen, Frauen am Zauber und an der Magie des Weges teilhaben zu lassen. Aber ganz ehrlich, ich wollte die Verantwortung für die „Bucherei“ nicht übernehmen. Eine Reise zu begleiten ist etwas anderes, als eine Reise komplett zu organisieren. Denn dafür gibt es Reisebüros und Reiseveranstalter und das liegt schließlich auch nicht in meinem Kompetenzbereich.
Der Gedanke daran ließ mich nie wirklich los. Doch wo immer ein Wille ist, ist auch ein Weg. Spätestens dann, wenn du einmal auf dem Jakobsweg warst, vertraust du deinem Gefühl und deiner Ituition und kennst den alten Pilgerspruch: „Der Camino gibt dir nicht was du suchst, er gibt dir was du brauchst.“
In dem Vertrauen, dass das Universum zusammenfügt, was zusammen gehört, kam die Lösung im Augustt 2025 direkt auf ein „Käffchen“ zu mir nach Hause. Als Michaela Schiffer, Inhaberin von Viamundo Reisen und Frauenreisen Weltweit, mich besuchte. Bei einer lockeren Tasse Kaffe sprachen wir über unser Busniess, Pläne, Ideen und ich sprach von meinen Caminos und dass ich so gerne Frauen begleiten möchte, jedoch keine Kompetenzen, Zeit und Lust auf den „Organisationsprozess“ habe. Worauf Michaela meinte: „Aber ich. Lass uns das zusammen machen. Ich orgenisiere und du begleitest die Frauen auf dem Weg.“
Und so ist die Idee geboren worden und als ich im Oktober auf Mallorca war, planten wir noch konkreter.
Es sollte ein Teil des Portugiesischen Weges von Tui bis an das „Ende der Welt“ nach Fisterra werden, weil dieser eine ganz besondere Magie offenbart.

Ich möchte Dich mitnehmen auf meine ganz persönlichen Schritte auf diesem Weg – und Dir zeigen, warum der Camino immer ein Wunder für Dich bereithält, egal, was das Wetter macht.



Teil 1: Wenn der Wald die Seele beruhigt
Der Camino Portugués beginnt in der charmanten Grenzstadt Tui mit einer tiefen, beruhigenden Stille. Der erste Schritt fühlt sich anders an: bewusster, entschlossener. Schnell tauchen wir ein in die satten, grünen Landschaften Galiciens. Hier gibt es keine Hektik, nur das Geräusch der Schritte auf dem Waldboden und das Rauschen der Blätter und der Mitpilger. Besonders schön fand ich auf meinem letzten Weg die Pilger zu Pferd die uns immer wieder begegneten.
Die Etappen – ob sie Dich durch sanfte Weinberge führen oder über historische Steinbrücken – sind nicht einfach nur Kilometer. Sie sind Übungen in Achtsamkeit. Der Körper findet seinen Rhythmus, die Gedanken beginnen, sich zu sortieren, und plötzlich spürst Du, wie Du Dich von innen heraus entfaltest. Die Last des Alltags weicht der Leichtigkeit des Rucksacks (besonders, wenn das Gepäck für Dich transportiert wird!).
„Wer glücklich reisen will, reise mit leichtem Gepäck.“
— Antoine de Saint-Exupéry






Teil 2: Die Tränen der Freude in Santiago – Das Ankommen
Für jeden Pilger ist der emotionale Höhepunkt die Ankunft in Santiago de Compostela. Nach all den Schritten, Strapatzen, den Blasen an den Füßen, der Stille, dem Lärm im Kopf und den inneren Auseinandersetzungen tauchen plötzlich die Türme der Kathedrale auf. Dieser erste Anblick lässt die Tränen der Freude, des Stolzes und der Erleichterung fließen. Egal wie oft ich den Weg gelaufen bin, es ist jedes Mal ein ergreifender Moment. Spätestens hier kommt mir der Spruch in den Sinn: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt.“
Die Stadt selbst ist ein pulsierender Ort der Dankbarkeit, des sich gegeneitig Feierns, sich freuen an den eigenen und an den Leistungen der anderen Pilger. Ich erinnere mich, als ich beim ersten Mal dort stand und gescheitert war, damals waren es die Tränen des Scheiterns und das Gefühl nicht dazuzugehören. Doch all die anderen Male als ich es geschafft hatte, war es ein erhebendes Feeling.
Das Ankommen auf dem Platz, das Anstehen, um die Compostela (die Pilgerurkunde) in den Händen zu halten, ist ein wunderbares, gemeinschaftliches Ritual. Es ist die physische Bestätigung der eigenen Willenskraft. Und die Belohnung? Nach Tagen des Pilger-Essens schmeckt mir die erste richtige Paella in der Stadt wie der größte Sieg deines Lebens! Man ist angekommen, aber die Reise ist noch nicht vorbei. Zu einem der Rituale gehört die Pilgermesse in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Der berühmte Weihrauchbehälter in der Kathedrale von Santiago de Compostela heißt Botafumeiro (galicisch ist und so viel bedeutet wie „Rauchverteiler“), es ist ein riesiges Weihrauchfass, das zu besonderen Anlässen von der Decke geschwungen wird und zu den Hauptattraktionen der Kathedrale gehört. Zusammen mit der gesprochenen Messe, der Musik ist es definitiv für jeden Pilger und jede Pilgerin ein Muss, was auch die langen schlangen am Eingang vor jeder Messe zeigen.



Botafumeiro
Teil 3: Das Wunder der Reise geht weiter bis an das Ende der Welt
Für viele endet der Camino hier, doch nicht für jeden. Der Ruf des Atlantiks, der Camino Finisterre, ist für viele das Ende einer Pilgerreise. Es ist der Weg, den die frühen Pilger gegangen sind, um am Kap Finisterre ihre alten Kleider und Lasten symbolisch zu verbrennen.
Auf dieser Verlängerung des Weges durfte ich erfahren, dass die Magie des Caminos völlig wetterunabhängig ist. Das erste Mal als ich den Weg beschritten habe, regnete es bis zum Schluß, erst als ich in Finesterra ankam, ging die Sonne auf. Ich bin durch tiefe, mystische Wälder gegangen, oft begleitet von einem stillen, hartnäckigen galizischen Regen, deshalb ist es dort auch so schön grün. Kilometer um Kilometer war der Himmel grau, es schüttete, das Gehen war eine echte Prüfung meiner Entschlossenheit, auch, weil es unglaublich viele Höhnemeter zu bewältigen gab.
Doch dann, kurz bevor ich Fisterra erreichte, geschah es: Die Wolkendecke brach auf!
Das eine Mal strahle die Sonne wie ein Bühnenlicht, das andere Mal legte sich ein müstischer Nebel und Wolken direkt auf den Leuchtturm, am Ende der Welt. Jedes Mal war es ein Moment von unglaublicher, spiritueller Klarheit, als würde der Himmel selbst mich für meine Ausdauer und meinen Mut begrüßen, auf seine eigne Art und Weise. Wieder laufen mir die Tränen.






Am Kap Finisterre selbst schließt sich der Kreis. Das Gefühl, wenn du vor der Unendlichkeit des Ozeans stehst, atmest du die Freiheit ein und spürst, dass du nicht nur viele Kilometer, sondern auch viele alte Geschichten hinter Dir gelassen hast.
„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ — Johann Wolfgang von Goethe









Meine Reise führte mich später noch weiter bis in das wunderschöne Muxía, ein Ort tiefer Dankbarkeit und Ruhe. Nicht jedes Mal ist der Ort ruhig, weil im Sommer auch hier und da Feste gefeiert werden. Doch was sich auf diesem kleinen Abschnitt erleben durfte, war mehr als witzig.
Ich lief in 2022 den Camino zwischen Finesterra und Muxia entlag und plötzlich sprach mich eine entgegenkommende Frau an: „Mach langsam den Berg runter, du bist doch Gisa, oder?“ Mir ist doch fast meine rote Brille aus dem Gesicht gefallen, da bist du am Ende der Welt und wirst erkannt. Krass, oder? Doch woher kannste sie mich? Von Facebook, denn ich postete etwas in einer Camino Pilgergruppe und sie las es und durch meine Brille und meinem roten T-Shirt hatte sie mich erkannt.



Es gibt immer eine Erkenntnis: Der Camino geht in Dir weiter
Der Portugiesische Weg mit der Verlängerung nach Fisterra ist eine tiefe Erfahrung, weil er dir zeigt, dass der Spirit und die Magie nicht an Sonnenschein gebunden sind, sondern an der Verbundenheit mit der Natur, mit dir und mit anderen Pilgern. Sie kommen, wenn du bereit bist und wenn du weitergehst, wenn du dich dem Unbekannten stellst und wenn du die kleinen Wunder am Wegesrand und am Ende der Welt empfängst.
Ich hoffe, ich konnte dich ein klein wenig mit meinen Erfahrungen und meinen Bildern inspirieren und mit auf den Camino nehmen.
Wenn du diesen Weg in einer umsorgten Gemeinschaft gehen möchtest, in der Du Dich auf Dein persönliches Wachstum konzentrieren kannst, dann ist die Reise mit Frauenreisen Weltweit und meiner Begleitung genau das Richtige für dich. Hast du Lust?
Hier findest Du alle Details zu unserer nächsten Reise von Tui nach Fisterra.
Buen Camino!

Meine Buchempfehlung: Buen Camino – Mit dem Rucksack statt Nagellack auf dem Jakobsweg
Es ist ein Mutmachbuch:
Gisa Steeg bricht mit dem Mythos vom perfekten Pilgerweg. In ihrem Buch „Buen Camino – Mit dem Rucksack statt Nagellack auf dem Jakobsweg“ teilt sie schonungslos ehrlich, wie sie auf dem Camino „gescheitert“ ist und gerade dadurch die tiefsten Lektionen gelernt hat. Dieses Buch ist ein Mutmacher für alle, die auf ihrem Lebensweg feststecken. Mit ihrem Credo „Scheiter heiter!“ zeigt Gisa, dass es immer einen Weg nach dem Weg gibt und wie Du mit Heiterkeit, Freude und Leichtigkeit alle Hürden des Lebens meistern kannst. Ein inspirierender und humorvoller Blick hinter die Kulissen, der beweist: Wer abbricht, kann neu beginnen, und wer neu beginnt, kann ankommen.
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