Ein Artikel von Gisa Steeg
Neulich ist es mir wieder passiert. Obwohl ich seit mehr als einem Jahrzehnt als Coach, Mentorin und Kommunikationstrainerin arbeite, habe ich mich selbst im Drama-Dreieck erwischt. Ja, auch wir, die tagtäglich mit Persönlichkeitsentwicklung und Transformation zu tun haben, tappen manchmal selbst in diese Falle hinein.
Ganz ehrlich, genau das macht uns menschlich und diese Erfahrungen sind so wertvoll, weil dadurch unsere Seminare und auch unsere Coachings echt sind. Da ist dann nichts „antrainiertes“ oder „angelesenes“, sondern es sind Beispiele aus dem wahren Leben und genau deshalb können wir auch empatisch mitfühlen. Und jedes Mal, wenn es mir heute passiert, erkenne ich schneller und noch klarer, wie subtil Manipulation funktionieren kann und wie wichtig es ist, bewusst auszusteigen, bevor sie uns Energie, Zeit und Selbstbestimmung raubt.
Wie ich ins Drama-Dreieck rutschte und es bemerkte
Der Auslöser war ein vermeintlich kollegialer Austausch. Eingeleitet mit Worten wie: „Wie geht’s dir? Lass uns doch virtuell gemeinsam einen Kaffee trinken und uns austauschen.“
Ich freute mich auf ein wertschätzendes Gespräch unter Kolleginnen, ein gemeinsames virtuelles Käffchen trinken auf Augenhöhe, einfach mal miteinander quatschen.
Sie erzählte kurz von sich und lud mich ein, von mir zu reden. Ich erzählte, von Kollegin zu Kollegin, wie es mir geht. Ich teilte ein paar Beobachtungen, wie ich die aktuelle Zeitqualität und die Veränderung des Coaching-Marktes wahrnehme und ein paar persönliche Erlebnisse aus 2025, das sich teilweise wie der Schleudergang meiner Waschmaschiene anfühlte, nur der Weichspüler, der wurde vergessen und es war auch kein Schonwaschgang eingestellt.
Und schon während des Calls spürte ich einen feinen Schwenk in ihrem Ton, im Fokus und in der Absicht der mir gestellten Fragen. Es war plötzlich spürbar, dass diese Fragen nicht aus Interesse an mir und meiner Person gestellt wurden, sondern, um Informationen zu sammeln. Ich stockte und lud sie ein weiter von sich zu erählen und wie sie so die Zeitqalität wahrnimmt. Und plötzlich hieß es:
„Ich sehe, da hast du ein Thema (Problem) und das können wir lösen, ich habe das passende Angebot für dich.“
Da war sie, die Bestätigung, dass ich meinem inneren Kompsss und meiner Intuition vertrauen kann, denn aus einem offenen Dialog unter Kolleginnen wurde ein einseitiges Verkaufsgespräch.
Aus einem „Wir“ wurde ein „Ich habe etwas, das DU brauchst. Nein, ich weiß, was du brauchst. Mit meiner Hilfe kannst du all die Blockaden lösen.“
Zum einen wusste ich bis zu diesem Gespräch noch gar nicht dass ich da ein „Problem“ habe und zum anderen sagte ich, dass ich für meine Themen meine eigenen Mentorinnen habe. Und stell dir vor, mein klares Nein wurde nicht akzeptiert, dass ich bereits meine eigenen Mentorinnen habe wurde ignoriert.
Stattdessen:
„Überleg es dir in Ruhe.“
„Sag nicht gleich Nein.“
„Spür mal in das Nein hinein.“
„Was man in 48 Stunden nicht entscheidet….., melde dich einfach, glaub mir, es passt, damit löst du jetzt alle Blockaden und startest endlich in 2026 durch.“
Und, welch Überraschung, nach 48 Stunden war die Person da, mit einer Nachfrage und gleichzeitig einem neuen Angebot. Wieder ein Nein von meiner Seite.
Trotzdem war sie die ganze Zeit da, die Grenzüberschreitung, die Manipulation, sie Selbsterhöhung der anderen Seite, das Ignorieren meines klaren Neins.
Ich merkte, wie mich das wütend machte. Wie meine Zeit und auch mein Vertrauen missbraucht wurden. Wie sich jemand über mich stellte, als wüsste er besser, was ich brauche und mich wie ein kleines bedürftiges Kind behandelten woltte. Und genau da war ich mittendrin:
Im Drama-Dreieck.
Das Drama-Dreieck – kurz erklärt
Das Drama-Dreieck, aus der Transaktionsanalyse nach Karpman besteht aus drei Rollen:
- „Das Opfer“: „Immer nur mir passiert das. Ich kann nichts tun, ich kann nichts dafür.“
- „Der Verfolger“: „Ich weiß es besser. Du musst tun, was ich sage.“
- „Der Retter“: „Ich helfe dir – auch wenn du gar nicht gefragt hast.“
Es ist ein unbewusstes Spiel aus Schuld, Druck, Bedürftigkeit und Machtverschiebung.
Und genau in solche Dynamiken rutschen wir hinein, wenn unsere Grenzen nicht respektiert werden – oder wenn wir sie selbst nicht klar setzen.

In meinem Fall wurde ich unbewusst in die Opferrolle gedrängt, die ich durch mein Nein nicht angenommen hatte, während mein Gegenüber in die Retter- bzw. Verfolgerrolle wechselte:
„Ich weiß, was gut für dich ist. Du brauchst mein Angebot.“
Dass meine Nein und meine Grenzen nicht repektiert wurden, machte mich wütend und ich ärgerte mich. Und zack, war ich doch eingestiegen in das Drama-Dreieck und als ich es bemerkte, passierte das Entscheidende:
Ich stieg aus.
Ich nahm meine Macht zurück. Ich benannte, was passiert war. Ich setzte ein weiteres klares, endgültiges Nein, ohne eine Erklärung und ohne mich zu rechtfertigen. Es kamen zwar noch weiter Nachrichten und „Belehrungen“ und auch „Profezeiungen, dass es ich ohne ihre Hilfe/Coaching dann halt doch nicht zum Erfolg kommt“…
Jetzt musste ich nur noch schmuntzeln und bei so viel Übergriffigkeit den Kopf schütteln und es fühlte sich für sofort leichter an. Und ich war mir so klar, dass ich so niemals meine Soulclients behandeln oder meine Aquise machen würde.
Raus aus dem Drama – rein in die eigene Kraft
Wie du es an meinem Beispiel erkennen kanst, wir alle geraten hier und da hinein. Kommunikation ist immer zwischenmenschlich und auch emotional, manchmal manipulativ.
Wichtig ist: Wir müssen nicht dort bleiben, wir können früher erkennen, ob wir uns hineinziehen lassen und wir können auch klarer erkennen, ob uns jemand manipulieren möchte.
Der Ausstieg gelingt durch ein paar einfache Schritte:
1. Bewusstwerden
Sobald du merkst: „Hier läuft ein Spiel“, kannst du die Dynamik stoppen. Manchmal reicht es schon tief durchzuatemen und zu schweigen. Einfach mal nicht zu antworten, keine Bühne für das Drama zu bieten.
2. Klarheit
Wichtig ist seine eigenen Werte, die eigenen Grenzen und deine Entscheidungen zu kennen und zu kommunizieren. Manchmal wird man so, wie in meinem Fall unvorbereitet überrumpelt, dann verschaffe dir Luft und Bedenkzeit: „Danke, darüber muss ich nachdenken und melde mich später.“
3. Selbstverantwortung
Frage dich nicht: „Warum passiert mir das (immer)?“ Das ist definitiv die falsche Frage, die Übergriffigkeit, die Respektlosigkeit der anderen hat nichts mit dir zu tun. Du darfst dich höchstens fragen, bin ich auch so belehernd unterwegs?
Du solltest dich viel mehr fragen: „Was mache ich jetzt daraus?“
4. Ein echtes Nein
Du darfst Nein sagen, ohne dass du dich erklären oder rechtfertigen musst, ohne eine Diskussion und ohne jegliche Schuldgefühle.
Deshalb kurz und klar, begründen ohne Rechtfertigung:
- „Nein, das geht leider nicht.“
- „Leider muss ich ablehnen.“
- „Nein, ich habe gerade selbst so viel zu erledigen!“
- „Nein, ich kann nicht!“
- „Nein, ich will nicht!“
- „Nein, das geht nicht!“
5. Rückkehr in deine innere Stärke
Je öfters du die „Spielchen“ erkennst, kommst du in die Selbstbestimmung, fühlst deine Freiheit und echte Klarheit entsteht in dir. Ich mag dir ein Bild aus meinen Seminaren und meinem Coaching scheken. Sobald du in dir klar bist, kannst du dich entspannt zurück lehnen und den anderen bei ihren Spielchen zuschauen. Nimm dir eine Tüte Popcorn, dann wird es entspannter… Damit zaubere ich meinen Klienten immer wieder ein lächeln ins Gesicht, in dem im folgendes Bild und den Satz schicke: „Denk an das Popcorn!“

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Fazit
Wir alle geraten manchmal in alte Muster.
Das ist menschlich.
Entscheidend ist, wie schnell wir es erkennen – und wie bewusst wir uns entscheiden, auszusteigen.
Denn wahre Stärke bedeutet:
Nicht im Drama bleiben.
Sondern klar, wach und kraftvoll deinen Weg gehen.
Und genau dazu möchte ich dich ermutigen, jeden Tag, in jedem Gespräch und bei jeder Entscheidung.