Warum Frauen im Business überhört werden

Warum Frauen im Business überhört werden

Und wie du dir endlich Gehör verschaffst

Ein Artikel von Gisa Steeg

Es ist eine Szene, die sich Tag für Tag in unzähligen Konferenz-, Meetingräumen und Calls abspielt:

Eine kompetente Frau bringt in einer Besprechung einen durchdachten Vorschlag ein. Die Reaktion der überwiegend männlichen Runde? Schweigen, ein kurzes Nicken und ein direktes Weitergehen zur Tagesordnung, mit anderen Worten, das Gesagte wird schlicht wegignoriert.

Doch allzu oft passiert es, dass nur knapp 15 Minuten später ein männlicher Kollege im Raum genau diesen Vorschlag aufgreift. Er formuliert ihn mit denselben Worten, tut so, als ob es auf seinem Mist gewachsen ist. Und plötzlich folgt ein begeistertes Nicken, Schulterklopfen und Lob für „seine großartige Idee“.

Regelmäßig erzählen mir Frauen in meinen Seminaren und Workshops wie „Stark und Selbstbewusst im Beruf“ oder „Nein sagen und Grenzen setzen“ von solchen Situationen, in denen sie im Berufsalltag schlichtweg unsichtbar, übergangen oder mundtot gemacht werden.

Das ist genau eines der am häufigsten genannten Frustrations-Themen von Frauen in Fach- und Führungspositionen.

Ich selbst durfte das schon erleben, dass ich bei einer Beförderung übergangen wurde und auf meine Anfrage, warum die Wahl auf den Kollegen fiel, die Antwort: „Herr XY ist ein Mann.“ Ich brauche euch nicht zu sagen, ich habe mir einen neuen Job gesucht und genau das tun dann auch viele hochqualifizierte Frauen.

Es ist nicht nur frustrierend, es raubt Energie, Selbstbewusstsein und kostet Unternehmen am Ende die besten Ideen und mitunter auch die besten Mitarbeiterinnen.

Lass uns zuerst einmal hinschauen, woran es liegt? Und viel wichtiger, dann: Wie kannst du dich wirksam und souverän dagegen wehren?

1. Warum werden Frauen heute immer noch überhört?

Was viele als persönliches Pech abtun, hat in der Kommunikationspsychologie längst Namen bekommen: „Manterrupting“ (das ständige Unterbrechen von Frauen) und „Bropropriating“ (das Aneignen weiblicher Ideen durch männliche Kollegen).

Die Gründe dafür sind tief in unserer Wahrnehmung und Kultur verankert:

  1. Gelerntes Hinhör-Verhalten (Status-Wahrnehmung):

Männer sprechen und nehmen sich in Meetings oft gleich mal mehr Raum ein, einer tieferen, resonanteren Stimme und voller absoluter Behauptungs-Power, selbst wenn die Idee noch unreif ist. Das ist ein typisch männliches Machtgehabe und Revierverteidigung. Frauen hingegen neigen dazu, Beiträge diplomatischer, einleitend relativierend („Ich weiß nicht, ob das passt, aber…“) oder leiser vorzubringen. Sie spielen sich nicht so sehr in den Vordergrund. Das Hirn der Zuhörer filtert leise oder relativierte Beiträge als „unwichtig“ heraus.

  1. Geschlechtsspezifische Rollenbilder:

Wenn ein Mann einen Vorschlag bestimmend vorträgt, gilt er als durchsetzungsstark. Tut eine Frau dasselbe, wird sie im unbewussten Skript vieler Menschen noch immer schnell als „anstrengend“, „zickig“ oder „militant“ wahrgenommen. Das führt zum einen dazu, dass Frauen ihre Stimme oft dämpfen, um sympathisch zu bleiben und zum anderen ist es oft so, dass Frauen sich oft viel Mut nehmen müssen, um sich überhaupt zu melden und zu Wort zu kommen, da kann es vor lauter Aufregung sein, dass sie flach atmen und die Stimme dadurch flach, pipsig und hoch klingt.

  1. Der Effekt der körperlichen Präsenz:

Wer seinen Körper im Stress zusammenzieht, flach atmet und sich unbewusst kleiner macht, strahlt weniger Präsenz aus. Die Stimme verliert an Resonanz und klarer Ausdruckskraft und der Beitrag geht im Lärm der Runde unter.

2. Schlagfertig kontern: So holst du dir deine Sichtbarkeit professionell zurück

In meinen Seminaren gebe ich meinen Teilnehmerinnen immer wieder folgende Tipps, die ich auch dir mit geben möchte. Wenn es mal wieder passiert, dass dein Kollege deinen Vorschlag 15 Minuten später als seine Idee verkauft, darfst du das nicht schweigend schlucken. Immer, wenn du schweigst, stimmst du unbewusst zu.

Um dir deinen Raum zurückzuholen, brauchst du elegante, aber glasklare Antworten. Übe sie gerne vor dem Spiegel. Hier sind praxiserprobte Formulierungen im Stil meiner Trainings:

Der charmant-direkte Klassiker

„Wie schön, dass Ihnen mein Vorschlag von vorhin so gut gefällt, dass Sie ihn noch einmal aufgreifen! Danke dafür, sonst wäre er vorhin glatt untergegangen.“

Die professionelle Verstärkung

„Vielen Dank, dass du meine Idee von vor 15 Minuten noch einmal auf den Punkt bringst. Schön, dass wir da genau derselben Meinung sind.“

Die präzise Klarstellung (bei Unterbrechungen)

„Ich bin gleich fertig mit meinem Gedanken, dann bin ich gespannt auf dein Feedback dazu.“

Wenn es einmal humorvoll sein darf: !Willkommen in meinem Satz.“

Wenn der Kollege den Beifall kassiert

„Ergänzend zu dem, was ich vorhin eingebracht habe und Kollege X gerade aufgegriffen hat: Mein nächster Schritt dafür wäre…“ (Damit übernimmst du sofort wieder die Führung des Themas).

3. Ganz wichtig sind die 3 Ebenen echter Durchsetzungskraft

Schlagfertige Sätze bringen nur dann etwas, wenn deine innere und körperliche Haltung dazu passt. Echte Klarheit entsteht auf 3 Ebenen:

  • Deine innere, mentale Ebene (Glaubenssätze): Räume den Gedanken aus dem Weg, du müsstest „erst um Erlaubnis bitten“ oder „allen gefallen“. Welche Glaubenssätze oder Ängste hindern dich Klartext zu sprechen? Du kannst dir sicher sein, sobald einer deiner Kollegen ihn aufgreift, ist dein Beitrag sehr wertvoll, also steh dazu.

  • Deine körperliche Ebene (Körpersprache): Richte dich auf, verankere beide Füße fest auf dem Boden und atme tief in den Bauch. Dein Körper signalisiert dem Raum bereits vor dem ersten Wort: Ich nehme mir diesen Platz (Raum). (Das machen Männer übrigens auch, beobachte sie einmal). Deine aufrechte Körpersprache wirkt souveräner, selbstbewusster und klarer und damit wirkt deine Stimme kraftvoller.

  • Deine äußere Ebene (Wirkung): Sprich dein Nein oder deine Idee ohne Entschuldigung, Weichspüler (Entschuldigung, vielleicht, ähm..)  und ohne Relativierung aus. Ruhig, auf den Punkt und mit klarer Betonung.

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Befreie dich! Mehr Mut zum Ich! Sag Nein zu Energieräubern, toxischen Gewohnheiten und narzisstischen Beziehungen von Gisa Steeg
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Gisa Steeg ist Jahrgang 1970, arbeitet als psychologische Beraterin, Steh-auf-Mentorin, Buch-Mentorin, Autorin und Mutmacherin für mehr Kraft und innere Stärke, und lebt in der Nähe von Heidelberg. Sie ist ausgebildete Handelsfachwirtin, Business-Coach, Hypnose-Coach, Selbstbewusstseinstrainerin und systemische Beraterin, Wingwave-Coach, NLP-Master und Kommunikationstrainerin. Als Coach, Mentorin, Autorin und Unternehmerin hat sie Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Tätigkeit als Dozentin im Marketing, Vertrieb und in der Persönlichkeitsentwicklung. Sie schreibt und veröffentlicht ein Buch nach dem anderen und hilft Menschen, in ihre Kraft zu kommen und selbst Bücher zu schreiben, das zeigt sie unter anderem in ihren Büchern, Kongressen, Firmen-Seminaren und Coachings. Das Besondere bei Gisa ist ihre Kompetenz als Coach und Stärken-Mentorin. Insgesamt sind bis Ende 2023 14 Bücher von ihr als Autorin und 9 als Co-Autorin erschienen. Von April bis September 2021 moderierte sie ihre eigene Radiosendung „Let’s Talk“ mit Gisa Steeg und auch hier ging es um starke Themen, starke Bücher und starke Menschen. Nicht nur im Podcast und in ihren Büchern, sondern auch auf ihrem Videoblog auf YouTube und auf ihren Social-Media-Kanälen gibt sie viel Wissen preis. #spürbarstarkvonINNEN #resilienzrockt Kontakt: www.gisa-steeg.de und www.gisa-steeg.com
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