Wenn Grenzen im Job überschritten werden: Meine Erfahrung mit Machtmissbrauch und sexueller Belästigung

Ein sehr ehrlicher Artikel von Gisa Steeg

Sie lächeln dir ins Gesicht, tätscheln oder streicheln dir die Schulter, stellen sich hinter dich, fassen dich ungefragt am Rücken an und loben deine Leistung. Und im nächsten Moment spürst du dieses schleichende, eiskalte Gefühl im Magen: Hier stimmt etwas gewaltig nicht. Hier wird gerade mehr als eine Grenze überschritten.

In meiner Arbeit mit Frauen erlebe ich es immer wieder: Die Themen Machtmissbrauch, Narzissmus, verbale und sexuelle Übergriffe im Business werden nach wie vor unter den Teppich gekehrt. Man spricht nicht darüber. Viele Frauen möchten keine „Spielverderberin“ sein, ihre Karriere nicht gefährden oder als „schwierig“, „zickig“ oder nicht „teamfähig“ abgestempelt werden.

Lass uns heute mal Tacheles reden.

Es geht nicht nur um das offensichtliche Drauftätscheln auf den Po oder die flache Hand im Lendenbereich. Es geht um subtile Machtspielchen, narzisstische Manipulation, grenzüberschreitende Nähe und eiskalte Nötigung in einer nach wie vor oft männerdominierten Arbeitswelt.

Und ich kenne diesen Scheiß nicht nur aus der Theorie, ich habe ihn am eigenen Leib erlebt. Es begann sogar schon in meiner Ausbildung, damals war ich süße 17 Jahre, naiv und vor allem völlig unsicher, wie ich damit umgehen kann und wie so viele Frauen auf mich selbst gestellt.

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Meine eigenen Erlebnisse

Wie beschrieben, es begann schon sehr früh und es zog sich durch meinen beruflichen Werdegang immer wieder durch. Vor einigen Jahren, ich war verheiratet, er war verheiratet, gab es eine berufliche Weihnachtsfeier. Die Stimmung war ausgelassen, der Alkohol floss, da ich nicht so auf Alkohol stehe habe ich wie immer nur Wasser und Saft getrunken. Und da ging es schon los, ich solle doch keine Spaßbremse sein und ein Sekt, Schnaps oder Wein ginge doch schon usw.. Ich musste mich dafür rechtfertigen, dass ich einfach keinen Alkohol trinken möchte. Mein Nein wurde nicht nur belächelt, es wurde lauthals verhöhnt.

Am Ende des Abends ging ich hoch auf mein Hotelzimmer, um schlafen zu gehen. Plötzlich stand ein Kollege hinter mir. Er war mir unerwünscht bis vor meine Zimmertür gefolgt und versuchte, sich Zutritt zu verschaffen. Ich musste mich körperlich und verbal extrem lautstark und massiv wehren, um ihm die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Am nächsten Tag tat er so, als ob nichts gewesen wäre.

Ein anderes Mal, bei der Jahrestagung, an dem alle Außendienstmitarbeiter und die gesamte Belegschaft tagten, wurde bei der am Abend getanzt: Ein Kollege drängte sich mir beim Tanzen körperlich so unverfroren auf, dass ich seine Erektion an meinem Körper spüren musste. Als ich mich angewidert abwandte und mich weigerte, weiter mit ihm zu tanzen, weil er mich immer wieder dazu aufforderte, fragte mich meine damalige Chefin ganz erstaunt: „Warum willst du denn nicht mit ihm tanzen?“

Auch hier wurde mein Nein ignoriert, bis ich meinen Scham nicht runtergeschluckt habe, sondern meiner Vorgesetzten glasklar und ungeschönt gesagt habe, was gerade passiert war.

Das Ergebnis?

Der Mann wollte eine hochrangige Führungsposition übernehmen, in der er vor allem für die Führung von Außendienst-Mitarbeiterinnen zuständig gewesen wäre. Durch meinen klaren Mut, den Mund aufzumachen, fiel ihm sein Verhalten massiv vor die Füße: Ihm wurden aufgrund dieser Grenzüberschreitung die Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen komplett verwehrt.

Und das krasse daran war, er ging dann auf mich los mit den Worten, ich hätte da Rufmord betrieben, seine Karriere durch „meine Lügen“ zerstört. Und schon sind wir wieder einmal bei der Täter-Opfer-Umkehr.

Ein anderes Mal sollte es zu einem freundschaftlichen Essen mit einem Bekannten kommen. Um ein geeignetes Restaurant zu finden fragte ich, was isst du gerne. Drauf kam die Antwort: „Am liebsten Sushi von nackten Frauenkörpern.“
Sorry, das ist für mich ein absolutes No-Go und das hatte ich kommuniziert. Daraufhin kam ein, „Hey, das war doch nur ein Witz, verstehst du kein Spaß?“ Nein, das ist für mich kein Spaß, es ist kein Witz und um sich rauszureden, wird die Täter-Opfer-Umkehr-Keule geschwungen und du wirst wieder zur Spaßbremse abgestempelt.

Darum schweigen so viele Frauen

Genauso ist es, wenn Macht auf Narzissmus trifft, nutzen manche Männer ihre Hierarchie oder ihre körperliche Präsenz eiskalt aus. Sie testen Grenzen aus. Erst ganz klein, hier ein zweideutiger Spruch, eine zu lange Umarmung, ein von hinten an den Stuhl stehen, die Hände auf deine Schultern gelegt, die dann langsam an den Armen herunter rutschen. Ein Zulangens und zu nahes von hinten auf deinen Bildschirm starren. Und du, in dir zieht sich alles zusammen, ein schlechtes Gefühl macht sich in dir breit. Wenn du nicht sofort Riegel davor schiebst, gehen sie übrigens den nächsten Schritt.

Viele kluge, starke Frauen verfallen in diesem Moment in die sogenannte Freeze-Reaktion (Erstarrung) ihres Nervensystems:

  • Der Kopf schaltet ab vor Ungläubigkeit: „Das passiert gerade nicht wirklich, oder?“
  • Das schlechte Gewissen meldet sich unbewusst: „Habe ich mich falsch verhalten? Habe ich falsche Signale gesendet?“ Das wird dir übrigens ganz oft dann vorgeworfen, das wurde auch mir so vorgeworfen, wenn ich mich gewehrt habe.
  • Die Angst vor Konsequenzen lähmt: „Wenn ich jetzt Szene mache, verliere ich meinen Job oder mein Ansehen.“

Genau auf diese Erstarrung und die Scham der Frauen spekulieren Narzissten und Machtmenschen. Sie rechnen fest damit, dass du schweigen wirst, um den Schein zu wahren.

Grenzgenial Nein sagen und selbstbewusst Grenzen setzen von Gisa Steeg
Grenzgenial Nein sagen und selbstbewusst Grenzen setzen, das Buch von Gisa Steeg

Wie du dich im Business wirksam wehrst und Grenzen ziehst

Klar STOPP zu sagen, deine Grenzen zu ziehen bedeutet nicht, dass du in die Opferrolle verfällst. Es bedeutet, dass du dir deine eigene Macht und Würde zurückholst.

  1. Die Täter-Opfer-Umkehr stoppen und du musst dich nicht schämen

Lass dir eins gesagt sein: Du bist niemals schuld an der Grenzüberschreitung eines anderen. Nein, nicht durch dein Outfit, nicht durch dein Lächeln, nicht durch dein freundliches, hilfsbereites und empathisches Auftreten und du bist auch nicht die Naive oder die Dumme! Die Person, die sich schämen sollte, ist die Person, die die Grenzen überschreitet, der Jenige, der seine Macht missbraucht, der sich im Ton vergreift und schon gar nicht zu dir.

Lass dir eins gesagt sein: Du bist niemals schuld an der Grenzüberschreitung eines anderen. Nicht durch dein Outfit, nicht durch dein Lächeln, nicht durch dein freundliches Auftreten. Die Scham gehört zu demjenigen, der die Grenze überschreitet, der seine Macht missbraucht, der sich im Ton vergreift – nicht zu dir.

  • Vermeide es alleine mit diesen Menschen zu sein
    Oft versuchen Menschen in Machtpositionen dich zu Überstunden zu nötigen, um Situationen herbeizuführen, in denen sie dann ungestört mit dir alleine sind. Durchschaue diese Taktik und vermeide jede Situation, in der du dich in „Gefahr“ bringen kannst. Häre auch gut auf das, was Kolleginnen oder deine Vorgängerin (nehme gerne Kontakt auf und sprich über deine Erfahrung) erzählen. Sei Achtsam und wachsam.

  • Die körperliche & verbale STOPP-Taste. Grenzüberschreitungen klar ansprechen!

Wenn dir jemand zu nahe tritt, egal ob verbal oder körperlich, reagiere sofort und ohne Höflichkeitsfloskeln.

  • Körper: Tritt einen Schritt zurück und vergrößere den Abstand. Wenn du sitzt, dann stehe auf. Mach dich groß, schau demjenigen direkt in die Augen.
  • Sprache: Keine leisen Ausflüchte wie „Och, ich möchte gerade lieber nicht…“. Nutze glasklare Täter-Ansprache in der Sie-Form (wenn nötig, auch vor Zeugen): „Stopp! Fassen Sie mich nicht an.“ Die Sie-Form schafft sofort Distanz und macht für Umstehende klar, dass hier keine private Vertraulichkeit herrscht. Wenn du sitzt, steh auf und schiebe den Stuhl zwischen euch.
  • Mach die Grenzüberschreitung öffentlich & sichere Beweise

Narzisstische Machtmenschen leben vom Schattenbereich. Hol das Thema ins Licht:

  • Führe ein Protokoll: Schreib dir sofort nach dem Vorfall Gedächtnisprotokolle mit Datum, Uhrzeit, Ort, Wortlaut und Zeugen auf. Zur Not nehme dein Mobiltelefon und nehme es für dich auf und wenn es zu grenzüberschreitend ist, geh zur Polizei damit. (Weil leider immer noch viel mehr den Tätern als den Opfern geglaubt wird und ich spreche da aus eigener Erfahrung.)
  • Suche dir Verbündete im Unternehmen oder wende dich an den Betriebsrat, die Gleichstellungsbeauftragte oder vertrauenswürdige Vorgesetzte.
  • Hab keine Angst vor den Konsequenzen für den Täter. Wie mein eigenes Beispiel zeigt: Dein Mut schützt vielleicht die nächsten zehn Frauen, die nach dir kommen.
  • Halte dich an deine Grenzen:
    Sobald du Grenzen gesetzt hast, ist es wichtig, dass du dich auch daran hältst. Wenn dein Chef oder einer deiner Kollegen versucht, deine Grenzen zu überschreiten, solltest du konsequent bleiben und klarstellen, dass du nicht bereit bist, dieses zu akzeptieren und welche Verhaltensweisen für dich nicht akzeptabel sind.

  • Dein Nervensystem auf Stärke polen

Wer in der Kindheit gelernt hat, immer lieb, brav und angepasst zu sein (das Musterschüler-Syndrom!), knickt bei mächtigen, narzisstischen Persönlichkeiten schnell ein. Du musst dein Nervensystem darauf trainieren, dass Abgrenzung und Konfrontation sicher für dich sind. Du darfst unbequem sein und du darfst deinen Raum einnehmen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesen konkreten Tipps etwas helfen und dich für das Thema sensibilisieren.

Wie Schulungen & Resilienz-Trainings Leben verändern

Genau aus diesen Gründen werde ich heute von Unternehmen gebucht: Um Mitarbeiterinnen, weiblichen Führungskräfte und Teams genau für diese Dynamiken zu sensibilisieren. Um ihnen zu zeigen, wie Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe im Keim erstickt werden und wie Frauen aus der passiven Dulderinnen-Rolle in eine glasklare Stärke kommen.

Du musst dir gar nichts gefallen lassen. Weder im Büro, noch auf der Weihnachtsfeier, noch in Verhandlungen.

👉 Hol dir deine Haltung und deine Grenzen zurück:

Lass dir deinen Raum nicht nehmen. Steh für dich ein – mit voller Macht.

Love,

Gisa

Danke für meine treuen Kunden und diese Wertschätzung!

Hier noch eine klare Buchempfehlung:

Mehr dazu in meinem Buch:

Befreie dich – Mehr Mut zum Ich: Sag Nein zu Energieräubern, toxischen Gewohnheiten und narzisstischen Beziehungen**

Dieses Buch ist für alle, die nicht länger im Drama hängenbleiben wollen.

Es zeigt Wege zu:

  • mehr innerer Freiheit
  • klaren Grenzen
  • emotionaler Autonomie
  • einem starken Ich
  • einem Leben voller Lebenslust statt Lebensfrust

Erhältlich beim Tredition Verlag, in allen Buchhandlungen oder direkt bei mir.

 Link zum Buch beim Tradition Verlag: https://shop.tredition.com/search/R2lzYSBTdGVlZw==

Befreie dich! Mehr Mut zum Ich! Sag Nein zu Energieräubern, toxischen Gewohnheiten und narzisstischen Beziehungen von Gisa Steeg
Befreie dich! Mehr Mut zum Ich! Sag Nein zu Energieräubern, toxischen Gewohnheiten und narzisstischen Beziehungen von Gisa Steeg

Eine weitere Buchempfehlung von Herzen:

Narzisstische und toxische Beziehungen beenden
… Aus der Co-Abhängigkeit zurück ins Leben

Verlag: Silberschnur Verlag

Erscheinungstermin:  25. Februar 2021 

Bist du in einer Beziehung mit einer Person, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, kennst du dieses schleichende Gift, das dich auslaugt? Dieses Buch bietet dir eine Anleitung und vielleicht eine Abkürzung, wie du eine Trennung von einem Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung überlebst. Das Besondere an diesem Buch ist, dass viele Betroffene und »Opfer« zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen – vor allem erzählen sie ungeschminkt von ihren Qualen, Demütigungen, Erniedrigungen, von ihren eigenen emotionalen Abhängigkeiten und wie sie lange keine Kraft mehr hatten zu gehen – und es trotzdem geschafft haben, sich zu trennen. Das ist oft ein langer Weg aus der Co-Abhängigkeit zurück in das Leben, den Selbstwert und die Selbstliebe.

Bestellung beim Verlag: Narzisstische und toxische Beziehungen beenden | Lebenskunst | Bücher | Silberschnur Online-Shop

Und bei Amazon: https://amzn.to/46sW29h

Narzisstische und toxische Beziehungen beenden - Raus aus der Co-Abhängigkeit .. zurück ins Leben von Gisa Steeg
Narzisstische und toxische Beziehungen beenden – Raus aus der Co-Abhängigkeit .. zurück ins Leben von Gisa Steeg
Gisa Steeg ist Jahrgang 1970, arbeitet als psychologische Beraterin, Steh-auf-Mentorin, Buch-Mentorin, Autorin und Mutmacherin für mehr Kraft und innere Stärke, und lebt in der Nähe von Heidelberg. Sie ist ausgebildete Handelsfachwirtin, Business-Coach, Hypnose-Coach, Selbstbewusstseinstrainerin und systemische Beraterin, Wingwave-Coach, NLP-Master und Kommunikationstrainerin. Als Coach, Mentorin, Autorin und Unternehmerin hat sie Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Tätigkeit als Dozentin im Marketing, Vertrieb und in der Persönlichkeitsentwicklung. Sie schreibt und veröffentlicht ein Buch nach dem anderen und hilft Menschen, in ihre Kraft zu kommen und selbst Bücher zu schreiben, das zeigt sie unter anderem in ihren Büchern, Kongressen, Firmen-Seminaren und Coachings. Das Besondere bei Gisa ist ihre Kompetenz als Coach und Stärken-Mentorin. Insgesamt sind bis Ende 2023 14 Bücher von ihr als Autorin und 9 als Co-Autorin erschienen. Von April bis September 2021 moderierte sie ihre eigene Radiosendung „Let’s Talk“ mit Gisa Steeg und auch hier ging es um starke Themen, starke Bücher und starke Menschen. Nicht nur im Podcast und in ihren Büchern, sondern auch auf ihrem Videoblog auf YouTube und auf ihren Social-Media-Kanälen gibt sie viel Wissen preis. #spürbarstarkvonINNEN #resilienzrockt Kontakt: www.gisa-steeg.de und www.gisa-steeg.com
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